{"id":1407,"date":"2024-03-23T18:00:46","date_gmt":"2024-03-23T17:00:46","guid":{"rendered":"https:\/\/zero-wendland.de\/?page_id=1407"},"modified":"2024-03-23T18:00:46","modified_gmt":"2024-03-23T17:00:46","slug":"jetzt-oder-nie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/zero-wendland.de\/?page_id=1407","title":{"rendered":"Jetzt oder nie!"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-large-font-size\">Ein gekochtes Ei wird nie wieder ein rohes.<br>Es gibt auch Kipp-Punkte beim Klima: manche Grenz\u00fcberschreitungen sind unumkehrbar. Ein Weckruf, enstanden aus einem Gedankenaustausch mit Dr. Thomas Lanz, Diplom- Biologe und Mitglied der Klima Aktionsgruppe Hitzacker.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"283\" src=\"https:\/\/zero-wendland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/fuenf_vor.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1408\" srcset=\"https:\/\/zero-wendland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/fuenf_vor.jpg 600w, https:\/\/zero-wendland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/fuenf_vor-300x142.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Warum leben wir nicht l\u00e4ngst im Klima-Notstand? Die wissenschaftlichen<br>Erkenntnisse sind eindeutig, die Warnungen der Wissenschaftler<br>ebenso: Wir Menschen sind dabei, unsere Lebensgrundlagen zu zerst\u00f6ren. Und das offenen Auges. Denn wenn unsere Gesellschaft an etwas<br>nicht leidet, so ist das ein Mangel an Information.<br>Wir sind informiert. Wir wissen, was los ist. Aber wir ziehen die Konsequenzen nicht, zumindest nicht gen\u00fcgend.<br><br>In den letzten 10 000 Jahren hatten wir auf unserem\u0093 Planeten stabile klimatische Verh\u00e4ltnisse, die es erm\u00f6glichten, einen ungeheuren Zuwachs<br>an Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die gesamte Umwelt zu gewinnen. Die Wissenschaft ist in alle m\u00f6glichen Bereiche vorgedrungen und erm\u00f6glicht ein weitestgehend sicheres Leben.<br><br>Bei der Umsetzung der wissenschaftlichen Erkenntnisse wurden allerdings nicht alle Auswirkungen auf unsere Umwelt beachtet, soda\u00df<br>wir inzwischen feststellen m\u00fcssen, da\u00df wir bereits sechs von neun \u0084planetaren Grenzen\u0093 \u00fcberschritten haben. \u0084Planetare Grenzen\u0093 hei\u00dft, da\u00df<br>deren \u00dcberschreiten eine Gefahr f\u00fcrs menschliche \u00dcberleben auf diesem Planeten darstellt. Die planetaren Grenzen, die wir bereits \u00fcberschritten<br>haben, betreffen die massiv schrumpfende Artenvielfalt und die Biodiversit\u00e4t, die etwa in Lateinamerika um 94 Prozent (WWF)<br>zur\u00fcckgegangen ist, die Verf\u00fcgbarkeit von S\u00fc\u00dfwasser, die Landnutzung durch Zerst\u00f6rung von Natur, den Eintrag von k\u00fcnstlichem Nitrat und<br>Phosphat (\u00dcberd\u00fcngung und in der Folge, zum Beispiel, biologisch tote Bereiche in der Ostsee), den Eintrag neuartiger Substanzen (Insektizide,<br>Herbizide, Plastik etc., unter anderem verantwortlich f\u00fcr das Insektensterben) und eben auch der globalen Erhitzung durch Mi\u00dfbrauch der Erdatmosph\u00e4re als M\u00fcllhalde f\u00fcr Treibhausgase<br>(CO2, Methan und Lachgas). Und: Diese planetaren Grenzen und ihr \u00dcberschreiten stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern beeinflussen<br>und verst\u00e4rken einander gegenseitig.<br><br>Der Wissensstand zur planetaren Grenze beim Klimawandel (globale Erhitzung) ist \u00fcberw\u00e4ltigend. Jahrzehnte alte Prognosen sind l\u00e4ngst<br>eingetreten wie vorhergesagt, und wir sind jetzt in einem Stadium angekommen, bei dem in den kommenden f\u00fcnf bis zehn Jahren so oder so die Entscheidung f\u00e4llt, wie sich das Klima und die sich daraus ergebenden Ver\u00e4nderungen f\u00fcr die kommenden Jahrhunderte entwickeln werden (IPCC). Das hei\u00dft nichts anderes: Jetzt entscheidet sich, was<br>f\u00fcr eine Welt wir unseren Kindern und Enkeln und auch den anderen Lebewesen \u00fcberlassen.<br><br>Unbegreifbar ist, warum diese Erkenntnis von den f\u00fchrenden K\u00f6pfen in Politik und Wirtschaft nicht als Tagesordnungspunkt 1 auf die Agenda<br>gesetzt und permanent kommuniziert wird, um als Leitlinie f\u00fcr jede politische und wirtschaftliche Entscheidung \u00fcbergeordnet zu dienen.<br><br>Die globale Erhitzung hat \u0096 bereits jetzt sp\u00fcrbar dramatische Ver\u00e4nderungen des weltweiten Klimas zur Folge, obwohl wir erst am Anfang sind: beim Abschmelzen der kilometerhohen<br>Eismassen auf Gr\u00f6nl\u00f6and und in der Antarktis, zum Beispiel, wird der Meeresspiegel um bis zu 65 Meter ansteigen, die Klimazonen<br>werden sich gro\u00dffl\u00e4chig verschieben, der Golfstrom als Teil der atlantischen Umw\u00e4lzstr\u00f6mung wird sich abschw\u00e4chen oder sogar komplett<br>versiegen. Es werden sich t\u00f6dliche Hitzezonen rund um den \u00c4quator ausbreiten, wovon bis in nur 40 bis 50 Jahren etwa drei Milliarden<br>Menschen betroffen sein werden.<br><br>Verursacht wird die globale Erhitzung in erster Linie durch die Verbrennung fossiler Energie (Kohle, Erd\u00f6l und Erdgas), die uns in der Vergangenheit im globalen Norden ein unglaubliches wirtschaftliches<br>Wachstum beschert hat. Doch bei der F\u00f6rderung, Nutzung und Verbrennung fossiler Energien entstehen Treibhausgase. Diese haben sich im Laufe der letzten Jahrzehnte in der Atmosph\u00e4re angesammelt,<br>da sie in diesem Ausma\u00df nicht mehr von den Pflanzen, von den weitgehend trockengelegten Mooren und dem Ozean aufgenommen<br>und gebunden werden k\u00f6nnen. Das passende Bild dazu ist die Badewanne, in die wir permanent Wasser laufen lassen: Sie l\u00e4uft \u00fcber.<br><br>Die globale Erw\u00e4rmung erh\u00f6ht das Risiko, Kipp-Punkte ganzer Erdsysteme zu \u00fcberschreiten. Diese Erdsysteme sind wesentlich beteiligt<br>an einer f\u00fcr uns lebenswichtigen stabilen klimatischen Umwelt. Beispiele hierf\u00fcr sind die globalen Meeresstr\u00f6mungen, die Permafrostb\u00f6den, der Amazonas-Regenwald, die nordischen W\u00e4lder oder auch die Korallenriffe.<br><br>Was ein Kipp-Punkt ist, l\u00e4\u00dft sich gut am H\u00fchnerei erkl\u00e4ren. Es besteht, wie unser Gehirn, zu einem gro\u00dfen Teil aus Protein (Eiwei\u00df). Wenn wir das H\u00fchnerei langsam erw\u00e4rmen, passiert erst mal gar nichts, es bleibt fl\u00fcssig. Ab einer bestimmten Temperatur (\u00fcber 60 \u00b0C) wandelt sich die fl\u00fcssige Form in eine feste. Und dieser Vorgang ist unumkehrbar: Ein gekochtes Ei kann nie wieder ein rohes werden. Beim Gehirn liegt dieser Kipp-Punkt bei etwa 42 \u00b0C (weshalb alte Quecksilber-Thermometer bei 42 \u00b0C enden).<br><br>\u0084Alles Quatsch!\u0093, t\u00f6nt es, nicht nur in Deutschland, besonders von Rechtspopulisten, \u0084es gab schon immer mal zu hei\u00dfe Sommer und Trokkenheit und mal viel Regen!\u0093 Da auch Rechtspopulisten nicht automatisch dumm sind, mu\u00df es Gr\u00fcnde geben, weshalb der menschengemachte Klimawandel von ihnen geleugnet wird. Zum<br>einen leben wir in \u0084postfaktischen\u0093 Zeiten (man kann mit \u0084alternativen Fakten\u0093 amerikanischer Pr\u00e4sident werden). Das hei\u00dft: Fakten, wissenschaftliche<br>Ergebnisse, die zum eigenen Weltbild passen, werden gern \u00fcbernommen, ebenso technische Errungenschaften. Wissenschaftliche Erkenntnisse dagegen, die nicht in mein Denken und meine Ideologie passen, die mich verunsichern oder sogar zweifeln lassen, die Ver\u00e4nderungen erfordern, werden geleugnet. Auch ist die heutige Welt komplex. Und je komplexer<br>sie wird, desto gr\u00f6\u00dfer wird die Sehnsucht nach einfachen L\u00f6sungen. Genau die bieten Populisten an \u0096 gerade auch in Deutschland, wo etwa<br>das Thema Migration einen abnorm hohen Stellenwert in der politischen Auseinandersetzung einnimmt und mehr ablenkt als zur Bew\u00e4ltigung des eigentlichen Problems, der \u00dcberschreitung der planetaren Grenzen, etwas beizutragen \u0096 obwohl alle Wirtschaftswissenschaftler sagen, da\u00df wir Einwanderung ben\u00f6tigen (etwa 400 000 Menschen pro Jahr), um unser wirtschaftliches System zu stabilisieren.<br><br>Ein \u0084Weiter so\u0093 in Sachen Klima, wie es von Populisten und vielen \u0084Konservativen\u0093 gefordert wird, f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig in den Abgrund. Schon <br>jetzt sind die uns\u00e4gliche Ungleichverteilung des Reichtums weltweit und selbst in den \u0084reichen\u0093 L\u00e4ndern und die fast schon religi\u00f6se Verklebung<br>von Konsum und Lebensgl\u00fcck schwer bis gar nicht ertr\u00e4glich. Unser derzeitiges Wirtschaftssystem beruht auf einer grenzenlosen Ausbeutung<br>von Natur und Mensch. Da aber die nat\u00fcrlichen Ressourcen des Planeten begrenzt sind, st\u00f6\u00dft dieses System ganz automatisch an seine Grenzen und mu\u00df zusammenbrechen. Wir haben es jetzt noch in der Hand, planvoll und menschenw\u00fcrdig gegenzusteuern.<br><br>Was ist zu tun, was ist erforderlich? An allererster Stelle und mit oberster<br>Priorit\u00e4t mu\u00df der schnelle Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen her; dazu der Ausbau regenerativer Energien (Sonne, Wind, Wasser) zur Bereitstellung von W\u00e4rme und Strom f\u00fcr lebensnotwendige Strukturen. Und die Landwirtschaft mu\u00df natursch\u00fctzend werden, ohne Gifte, Humusvernichtung und tierwohlmi\u00dfachtende und umweltsch\u00e4dliche Tierhaltung. Wir machen uns den Planeten nicht nur \u0084untertan\u0093, wir fressen ihn auch im wahrsten Sinne des Wortes auf: Etwa 80 Milliarden Landtiere und bis zu drei Billionen Fische und Wassertiere werden Jahr f\u00fcr Jahr<br>weltweit geschlachtet. Wir m\u00fcssen weg vom fossil betriebenen Verkehr, \u00fcberhaupt weniger Individualverkehr, dazu keine weitere Bodenversiegelung, umweltfreundliches Reisen, in allen Bereichen mehr Suffizienz, das hei\u00dft weniger aufwendiges Leben in allen Bereichen und<br>ein respektvoller Umgang mit der nat\u00fcrlichen Umgebung, Schutz von Wald- und Wassergebieten vor menschlichen Eingriffen.<br><br>Wie k\u00f6nnen wir das erreichen? Warten wir auf das Eintreten weiterer Horrorszenarien, wie wir sie ja teilweise schon erlebt haben und erleben<br>(Flut im Ahrtal, im libyschen Darna, in Pakistan, Hungerkrise am Horn von Afrika, Br\u00e4nde und Wassermangel in S\u00fcdeuropa, verheerende<br>Br\u00e4nde in Kanada). Wann sind wir bereit, gemeinsam die n\u00f6tigen Schritte zu gehen, um die Zerst\u00f6rung unserer Lebensgrundlagen zu beenden?<br><br>Es mu\u00df nicht nur die \u0084Hardware\u0093 ver\u00e4ndert werden. Wir m\u00fcssen auch an die \u0084Software\u0093 ran. Wir m\u00fcssen neue Bilder schaffen, Bilder, die Visionen erzeugen f\u00fcr einen lebenswerte Zukunft, die sich nicht nur am uners\u00e4ttlichen materiellen Mehrmehrmehr orientiert, sondern endlich<br>Erf\u00fcllung im Weniger-ist-Mehr findet.<br><br>Der Kampf gegen die Erderhitzung wird bestenfalls ein kurzes Hinausschieben sein, wenn er blo\u00df der Versuch bleibt, unser menschen- und naturfeindliches Wirtschaftssystem nur gr\u00fcn zu lackieren. Es mu\u00df den Menschen auch ehrlicherweise gesagt werden, da\u00df gewaltige Ver\u00e4nderungen (gerade auch in den Werten!) vonn\u00f6ten sind.<br><br>Es gibt viele Gruppen, die kreativ an neuen neuen Bildern und Visionen arbeiten, wie eine lebenswerte Zukunft aussehen kann und wie der Weg dorthin aussehen k\u00f6nnte. Ja, es sind schon sehr viele! Kontakt f\u00fcr alle, die mitmachen wollen:<br><a href=\"mailto:Klimaaktion.Hitzacker@posteo.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Klimaaktion.Hitzacker@posteo.de<\/a><br>und\/oder<br><a href=\"mailto:buero@bi-luechow-dannenberg.de\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">buero@bi-luechow-dannenberg.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein gekochtes Ei wird nie wieder ein rohes.Es gibt auch Kipp-Punkte beim Klima: manche Grenz\u00fcberschreitungen sind unumkehrbar. Ein Weckruf, enstanden aus einem Gedankenaustausch mit Dr. Thomas Lanz, Diplom- Biologe und Mitglied der Klima Aktionsgruppe Hitzacker. Warum leben wir nicht l\u00e4ngst im Klima-Notstand? Die wissenschaftlichenErkenntnisse sind eindeutig, die Warnungen der Wissenschaftlerebenso: Wir Menschen sind dabei, unsere [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-1407","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/zero-wendland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1407","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/zero-wendland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/zero-wendland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zero-wendland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/zero-wendland.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1407"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/zero-wendland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1407\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1409,"href":"https:\/\/zero-wendland.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/1407\/revisions\/1409"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/zero-wendland.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1407"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}