{"id":1859,"date":"2024-09-27T15:08:49","date_gmt":"2024-09-27T13:08:49","guid":{"rendered":"https:\/\/zero-wendland.de\/?page_id=1859"},"modified":"2024-09-27T16:42:14","modified_gmt":"2024-09-27T14:42:14","slug":"sag-mir-wo-die-schiffe-sind","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/zero-wendland.de\/?page_id=1859","title":{"rendered":"Sag mir, wo die Schiffe sind&#8230;!"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>\u00d6kologisch katastrophal, \u00f6konomisch vollkommen sinnfrei, soll dennoch die Fahrrinne der Elbe-\u0084Reststrecke\u0093 zwischen D\u00f6mitz und Hitzacker aufwendigst vertieft werden. Wasserfachmann Dr. Erich B\u00e4uerle fa\u00dft sich an den Kopf.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"398\" height=\"300\" src=\"https:\/\/zero-wendland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/elbe_foto_gorille.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1874\" style=\"width:462px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/zero-wendland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/elbe_foto_gorille.jpg 398w, https:\/\/zero-wendland.de\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/elbe_foto_gorille-300x226.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 398px) 100vw, 398px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">116Augenblicke<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es ist schon auff\u00e4llig, da\u00df es seit einigen Jahren immer schwieriger wird, auf der Mittelelbe zwischen Magdeburg und Lauenburg ein Binnenschiff zu Gesicht zu bekommen. Fr\u00fcher konnte man, zum Beispiel, vom Weinberg in Hitzacker oder vom Aussichtsturm Kniepenberg bei Tiesmesland beobachten, wie sich die G\u00fcterschiffe, immer wieder die Seite wechselnd, flu\u00dfauf- oder -abw\u00e4rts ihren Weg suchten, stets bem\u00fcht (und gef\u00fchrt durch die gr\u00fcnen oder roten Markierungsbojen) nicht mit den Untiefen des Flu\u00dfbetts in Konflikt zu geraten.<br>Dieses \u0084Schauspiel\u0093 ist immer seltener geworden, denn die G\u00fcterschiffahrt auf diesem Abschnitt der Elbe ist inzwischen fast v\u00f6llig zum Erliegen gekommen. Ganz einfach deshalb, weil immer \u00f6fter nicht einmal mehr ansatzweise gen\u00fcgend Wasser in der Fahrrinne des Flusses war und die Schiffe gezwungenerma\u00dfen den k\u00fcrzeren (!) Weg \u00fcber die Seitenkan\u00e4le genommen haben. Die Kan\u00e4le weisen n\u00e4mlich best\u00e4ndig eine Tiefe von dreieinhalb bis vier Meter auf. Und angesichts der steigenden Spritpreise war und ist es einfach billiger, diesen garantiert schiffbaren Weg zu nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das seit Jahrzehnten diskutierte und \u00f6kologisch h\u00f6chst bedenkliche Thema Ausbau der Reststrecke zur Herstellung der Leichtigkeit des Schiffsverkehrs auf der Elbe\u0093 hatte sich, so sollte man meinen, ganz von selbst erledigt. Aber nein! Im neuen Gewand des \u0084Gesamtkonzept Elbe\u0093, das im Jahr 2017 von der Bundesregierung und den beteiligten L\u00e4ndern formuliert und beschlossen wurde und dessen Kernpunkt der besagte Ausbau der Reststrecke der Elbe (der Abschnitt von D\u00f6mitz bis Hitzacker) ist, besch\u00e4ftigen sich seither unter Federf\u00fchrung des Wasserschiffahrtsamts eine beeindruckende Zahl von Fachleuten mit der Planung von Ma\u00dfnahmen, mit denen der Verkehr von Binnenschiffen auf der Elbe angekurbelt werden k\u00f6nnte. Damit sollten unter anderem auch die f\u00fcr den Hamburger Hafen prognostizierten, stark steigenden Containeranlandungen \u00fcber die Elbe ins nahe und ferne Hinterland (letztendlich bis nach Tschechien) verfrachtet werden.<br>Der nach der Wiedervereinigung gro\u00df ausgebaute Hafen von Wittenberge sollte dabei Umschlags- und Verteilerpunkt werden. Nur: die Wirklichkeit spielt nicht mit, der Containerumschlag im Hamburger Hafen stagniert seit 2008 (genau betrachtet ist er inzwischen kontinuierlich auf 70 Prozent des damaligen Wertes gesunken. Tendenz: weiter fallend) und der trimodale Hafen\u0093 in Wittenberge, bei dem das optimale Zusammenwirken von G\u00fcterverkehr auf der Stra\u00dfe, auf der Schiene und auf dem Wasserweg beispielhaft realisiert werden sollte, hat sich inzwischen zum G\u00fcterbahnhof gewandelt \u0096 ganz einfach, weil f\u00fcr die Schiffe mit dem Weg \u00fcber die Elbe mangels Wasser nicht die n\u00f6tige Planungssicherheit gegeben ist. Die Entscheidung der Schiffseigner f\u00fcr die Seitenkan\u00e4le und gegen die Reststrecke ist also nicht unbedingt als Entscheidung gegen das Schiff als Medium des G\u00fctertransports zu sehen. Aber offensichtlich ist im Fall der Elbe die Fahrt durch die Kan\u00e4le mittlerweile kosteng\u00fcnstiger \u0096 womit die<br>Frage, wo die Schiffe geblieben sind, beantwortet sein d\u00fcrfte.<br>Es mutet eigenartig an, wenn seitens der Wasserschiffahrtsverwaltung jetzt f\u00fcr die Idee geworben wird, durch Ausbauma\u00dfnahmen im Bereich der Reststrecke daf\u00fcr zu sorgen, da\u00df die Leichtigkeit der Schiffahrt\u0093 hergestellt wird, die doch f\u00fcr die Kan\u00e4le ohne jede Ma\u00dfnahme bereits gegeben ist. Der Ausbau beinhaltet: Unterbindung der Bildung von wandernden Sandb\u00e4nken, die bisher (auch, wenn gen\u00fcgend Wasser im Flu\u00df war) die Schiffe gezwungen hatten, immer wieder die Seite zu wechseln, um im tiefen Fahrwasser zu bleiben. Da diese Sandb\u00e4nke sich stetig flu\u00dfabw\u00e4rts verlagern, mu\u00dften die Wasserschiffahrts\u00e4mter durch permanente Tiefenmessungen ausloten, wo sich die Fahrrinne aktuell befindet. Da die \u00dcberg\u00e4nge von der einen zur anderen Flu\u00dfseite nicht immer tief genug waren, mu\u00dfte dort gebaggert und vertieft werden. Jetzt glaubt man durch Untersuchungen in Flu\u00dfmodellen und durch Computersimulationen M\u00f6glichkeiten gefunden zu haben, wie der Flu\u00df zu b\u00e4ndigen sei und das Ph\u00e4nomen der &#8222;\u0084alternierenden B\u00e4nke&#8220;\u0093 zum Verschwinden gebracht<br>werden k\u00f6nnte.<br>Die langfristigen Auswirkungen solcher Eingriffe werden sich aber erst im Lauf von Jahren oder Jahrzehnten einstellen. Und es ist wissenschaftlich keineswegs gesichert, ob es gelingen kann, die massiven Sandverlagerungen derart zu gestalten, da\u00df die Dynamik der Str\u00f6mungen im Flu\u00df so gez\u00fcgelt werden kann, da\u00df sich nicht andere als die geplanten Sedimentations- und Erosionsprozesse einstellen. Es mu\u00df betont werden, da\u00df seit l\u00e4ngerer Zeit im Bereich der Reststrecke, was die Sohlerosion angeht, ein \u0084dynamisches, aber stabiles Gleichgewicht\u0093 zu beobachten ist (Aussage von Dr. Gudrun Hillebrand auf einer am 14. Januar 2023 vom BAW im Verdo\u0093 Hitzacker durchgef\u00fchrten Veranstaltung).<\/p>\n\n\n\n<p>Da\u00df in dieses Gef\u00fcge trotzdem eingegriffen werden soll, ist als h\u00f6chst riskant zu bezeichnen. Versuch macht klug, und aus Schaden kann man lernen? Als ob durch die weiter stromaufw\u00e4rts gelegene, sogenannte Erosionsstrecke, wo sich die Elbe seit Jahrzehnten in den Untergrund eingr\u00e4bt (mit gravierenden Folgen f\u00fcr die Grundwasserverh\u00e4ltnisse in den Elbauen), nicht gen\u00fcgend ungel\u00f6ste Probleme best\u00fcnden. Probleme, die als Reaktion des Flusses auf die in der Vergangenheit durchgef\u00fchrten Flu\u00dfbauma\u00dfnahmen (Durchstiche, Begradigungen, Eindeichungen\u2026) zu sehen sind. Die hervorgerufenen Sch\u00e4den sind l\u00e4ngst nicht behoben, denn es will dort trotz massiver Zugaben von Kies und Sand (im Durchschnitt mehr als 1 000 Tonnen pro Tag!) partout nicht gelingen, die st\u00e4ndige Sohlvertiefung aufzuhalten.<br>Und selbst, wenn es gelingen w\u00fcrde, im Bereich der Reststrecke wie geplant eine 50 Meter breite und 1,40 Meter tiefe Fahrrinne herzustellen<br>(in den Kan\u00e4len sind, wie gesagt, st\u00e4ndig nahezu vier Meter vorhanden) und diese stabil zu halten, w\u00fcrde in Jahren wie den zur\u00fcckliegenden Trockenjahren (die sich in Zukunft noch h\u00e4ufen werden) das Wasser im Flu\u00df nicht ausreichen, um diese \u0084Rinne\u0093 zu f\u00fcllen. Mit dem aus der j\u00fcngsten Vergangenheit bekannten Effekt, da\u00df wochen- und monatelang kein Schiffsverkehr mehr m\u00f6glich ist (\u00fcber die Seitenkan\u00e4le sehr wohl!).<br>Soll zwischen Hitzacker und Damnatz, auf diesem letzten Abschnitt des noch nicht v\u00f6llig verbauten Flusses, ein neues Kapitel geschrieben werden \u00fcber die fehlgeschlagenen Versuche, die Natur zu b\u00e4ndigen? Obwohl daf\u00fcr (in diesem Fall offensichtlich) keinerlei Bedarf vorhanden ist? Um an die Aufforderung im Titel anzukn\u00fcpfen: \u2026wann wird man je versteh\u0092n?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6kologisch katastrophal, \u00f6konomisch vollkommen sinnfrei, soll dennoch die Fahrrinne der Elbe-\u0084Reststrecke\u0093 zwischen D\u00f6mitz und Hitzacker aufwendigst vertieft werden. Wasserfachmann Dr. Erich B\u00e4uerle fa\u00dft sich an den Kopf. 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