{"id":2108,"date":"2025-01-20T18:59:49","date_gmt":"2025-01-20T17:59:49","guid":{"rendered":"https:\/\/zero-wendland.de\/?page_id=2108"},"modified":"2025-01-20T19:04:41","modified_gmt":"2025-01-20T18:04:41","slug":"vergreist-die-bi","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/zero-wendland.de\/?page_id=2108","title":{"rendered":"Vergreist die BI?"},"content":{"rendered":"\n<p>Sabine Hen\u00dfen sprach mit Torben Klages, Hauptamtlicher in der B\u00fcrgerinitiative Umweltschutz L\u00fcchow-Dannenberg \u00fcber Zukunft, \u00dcberalterung und auch den Stolz auf das Erreichte.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"353\" src=\"https:\/\/zero-wendland.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/TK_g_72.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2109\" srcset=\"https:\/\/zero-wendland.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/TK_g_72.jpg 400w, https:\/\/zero-wendland.de\/wp-content\/uploads\/2025\/01\/TK_g_72-300x265.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Torben Klages<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p><strong>Wie steht es um den Altersdurchschnitt der BI-Mitglieder, ist der bekannt?<\/strong><br>Die gro\u00dfe Mehrheit unserer Mitglieder ist zwischen 60 und 80 Jahre alt. Menschen, die sich neu im Vorstand der BI engagieren, sind heute eher \u00fcber 50 Jahre alt, und der Vorstand hat ein Durchschnittsalter von 70 Jahren. F\u00fcr mich ein Verein mit gro\u00dfer Lebenserfahrung, f\u00fcr andere vielleicht ein Beleg der Vergreisung. Die nackten Zahlen stellen uns vor<br>Probleme, sagen allerdings auch nichts \u00fcber die gro\u00dfe Qualit\u00e4t der Engagierten aus.<br><br><strong>Sie sprechen selbst von der \u0084ausbleibenden Verj\u00fcngung als Gei\u00dfel der Bewegung\u0093, wird offen \u00fcber die \u0084Vergreisung\u0093 diskutiert?<\/strong><br>Die Diskussion ist in vollem Gange. Und nicht nur bei uns. Auf einer bundesweiten Konferenz von BI war ein Topthema \u0084&#8220;Wie<br>sprechen wir j\u00fcngere Leute an?&#8220;\u0093. Man muss aber aufpassen, dass die Fixierung auf das Thema nicht zur Selbstgei\u00dfelung f\u00fchrt, man darf sich nicht treiben lassen, stattdessen muss man ins Handeln kommen.<br><br><strong>Gibt es Gr\u00fcnde, die junge Menschen abhalten k\u00f6nnten, sich aktiv in der BI zu engagieren?<\/strong><br>Kritisch betrachtet, ist die \u00fcber Jahrzehnte gewachsene Struktur unserer BI nicht besonders ansprechend f\u00fcr junge Menschen, eine Struktur, die zun\u00e4chst wirkt wie ein starres Gebilde, das nicht mehr zeitgem\u00e4\u00df ist. Man m\u00fcsste sich zun\u00e4chst zwei Jahre einarbeiten, bis man auf der H\u00f6he des Wissens der BI ist, auch das schreckt junge Leute ab. Da steht man vor Aktivisten, die seit Jahrzehnten dabei sind, die wissen alles, die k\u00f6nnen alles. Zudem vermitteln wir den Eindruck: Wir sind ja da! Wir k\u00fcmmern uns. Und: Es fehlt schlicht das pers\u00f6nliche Ber\u00fchrtsein. Der Impuls, sich in der BI zu engagieren, ist nicht stark genug.<br><br><strong>Weil junge Menschen das Thema Atomkraft als abgehakt und ausgefochten betrachten?<\/strong><br>Es mangelt nicht an jungen Menschen in der Anti-Atomkraft-Bewegung, aber die sind oft hauptamtlich t\u00e4tig, verdienen ihr Geld damit. Was aber in der Breite fehlt, ist der pers\u00f6nliche Bezug, die Betroffenheit. Die Hochphase der Auseinandersetzung liegt weit in der Vergangenheit. Die Castor-Transporte ber\u00fchrten die Menschen damals ganz direkt, die Betroffenheit war gr\u00f6\u00dfer, der Widerstand gegen den \u00fcberm\u00e4chtig wirkenden Staat spielte eine Rolle. Viele junge Menschen kamen in der Zeit vor 2011 ins Wendland, haben an Aktionen teilgenommen. Haben allerdings nicht klassische BI-Arbeit gemacht. Ich selbst kam auch in dieser Zeit hierher \u0096 blieb h\u00e4ngen, wurde aber auch Hauptamtlicher. Geschehnisse wie Fukushima, sch\u00e4rfen das Bewusstsein, st\u00e4rken den Widerstand gegen die Atomkraft, trotzdem fangen wir bei der Meinungsbildung immer wieder bei Adam und Eva an, etwa nach der EU-Entscheidung, Atomkraft als nachhaltig einzustufen.<br><br><strong>W\u00e4re eine \u00d6ffnung f\u00fcr neue Themen ein Mittel, k\u00f6nnte etwa eine st\u00e4rkere Einbindung des Klima-Themas junge Menschen \u00fcberzeugen, sich in der BI zu engagieren?<\/strong><br>Die BI hat sich bereits neuen Themen ge\u00f6ffnet. Wir waren w\u00e4hrend der Proteste rund um den Hambacher Forst aktiv, haben jungen Initiativen, wie \u0084Ende-Gel\u00e4nde\u0093 oder Fridays for Future\u0093 unsere Hilfe angeboten, etwa beim Anmelden von Versammlungen oder welches Equipment notwendig ist. Der Austausch bei Demos ist da, aber die Hilfsangebote m\u00fcssen angemessen erfolgen. Speziell zum Thema Klima: Wir waren auch beteiligt an einem Format \u0084Week for Climate\u0093 im Wendland, bei dem verschiedene Initiativen abwechselnd Veranstaltungen gemacht haben. Wir haben fr\u00fcher auch die \u00f6kologische Filmreihe in Platenlaase mit veranstaltet, bei der wir monatlich Filme zum Umweltbereich pr\u00e4sentiert haben. Bei all den Veranstaltungen ist es allerdings nie gelungen, j\u00fcngere Menschen zur Mitarbeit zu bewegen. Meine Erfahrung ist, dass ein \u0084simpler\u0093 Themenwechsel nicht den erw\u00fcnschten Effekt bringt. Ich denke, dass ein Gef\u00fchl von Gemeinschaft unter Gleichaltrigen sehr wichtig ist. Junge Menschen untereinander teilen sehr wahrscheinlich andere Sorgen und Ansichten als die Eltern- oder Gro\u00dfelterngeneration, auch wenn alle Generationen am Ende vielleicht \u00e4hnliche Unsicherheiten und Probleme durchlebt haben. Und: F\u00fcr j\u00fcngere Menschen ist auch eine Abgrenzung zu \u00e4lteren Menschen ein wichtiger Entwicklungsschritt. Zu seinen Lebzeiten hat Jochen Stay, der die Anti-Atom-Bewegung ja auch ma\u00dfgeblich mitgestaltet hat, bei unseren Mitgliederversammlungen immer die Initiative 30 als Vorschlag vorgetragen. Ziel ist es dabei, Menschen im Alter um die 30 zur Mitarbeit zu motivieren. Ich halte das f\u00fcr eine realistische Zielsetzung. Nat\u00fcrlich w\u00fcrden wir uns nicht dagegen wehren, wenn j\u00fcngere oder auch weitere \u00e4ltere Menschen den Weg zu uns finden w\u00fcrden.<br><br><strong>Kann die Pr\u00e4senz in den sozialen Medien f\u00fcr mehr BI-Nachwuchs sorgen?<\/strong><br>Um die BI glaubhaft, authentisch, in den sozialen Medien zu pr\u00e4sentieren, braucht es wiederum junge Menschen, die diesen Job \u00fcbernehmen. Sonst geraten wir schnell in den Cringe-Bereich: Politiker tanzen auf TikTok und wirken peinlich, zum Fremdsch\u00e4men, eben cringe. Es ist eine gro\u00dfe Herausforderung, so etwas wie Nachwuchsarbeit anzuschieben. Vielleicht hinkt der Vergleich, aber ich war im Sportverein als Jugendtrainer t\u00e4tig, neben vielen weiteren Trainern. Denn die Jugendarbeit war mit weitaus mehr Ressourcen, personell und finanziell, ausgestattet, als das Training mit Erwachsenen. Es ging darum, die Basis zu st\u00e4rken, zu erreichen, dass die jungen Menschen perspektivisch im Verein bleiben. Auch dort sprangen viele Jugendliche und junge Erwachsene ab, weil andere Interessen wichtiger wurden. Will man die Jungen elektrisieren f\u00fcr das Thema Atomkraft, das vielfach als abgehakt begriffen wird \u0096 die haben oft andere Interessen und Probleme \u0096 braucht es neben guten Konzepten auch personelle Ressourcen.<br><br><strong>Droht also die Vergreisung?<\/strong><br>Es ist nicht alles dem Untergang geweiht, nur weil die Jungen ausbleiben! Es darf nicht passieren, dass wir hier alle nur noch ungl\u00fccklich sind. Man muss sich selbst kritisch hinterfragen, unsere Struktur ist nicht einfach f\u00fcr Einsteiger. Aber wir sollten uns auch vor Augen halten: Das alles hat \u00fcber Jahrzehnte funktioniert. Und ein wenig stolz auf unsere Erfolge d\u00fcrfen wir auch sein. Ver\u00e4nderungen darf man nicht ausblenden, wir m\u00fcssen sie aufnehmen. Und wer wei\u00df, vielleicht r\u00fcckt die pers\u00f6nliche Betroffenheit schneller wieder in den Vordergrund als uns allen lieb ist, angesichts der ungebremsten Macht und des Energiehungers der Big-Tech-Unternehmen<br>und den AKW-Phantasien von CDU, FDP und AfD.<br><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sabine Hen\u00dfen sprach mit Torben Klages, Hauptamtlicher in der B\u00fcrgerinitiative Umweltschutz L\u00fcchow-Dannenberg \u00fcber Zukunft, \u00dcberalterung und auch den Stolz auf das Erreichte. 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